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Ist die Berufung eine Wahl oder eine Unausweichlichkeit, die uns am Ende immer einholt?

Photo du rédacteur: MARIE PERCHER
MARIE PERCHER
23 sept.
3 min de lecture

„Erkenne dich selbst.“ Seit Sokrates hallt diese Aufforderung durch die Jahrhunderte. Doch sich selbst zu erkennen ist zweifellos die schwierigste Aufgabe überhaupt. Wir wählen unser Studium, unseren Beruf, unseren Wohnort, manchmal sogar unser ganzes Leben, bevor wir uns fragen, ob es wirklich widerspiegelt, wer wir sind. Daher muss man sich fragen: Wählen wir unsere Berufung wirklich selbst, oder findet sie uns am Ende immer?


I. Kann man den falschen Weg einschlagen, ohne das falsche Leben zu führen?

Auf den ersten Blick scheint manchmal alles vorherbestimmt. Nach ihrer Kindheit in der Normandie schlug Clémence einen Weg ein, den viele als vorbildlich bezeichnen würden. Hochbegabt, wurde sie an einer Ingenieurschule aufgenommen. Die Wahl erschien logisch, vernünftig, fast selbstverständlich. Doch hinter dieser scheinbaren Gewissheit verbarg sich ein stiller Zweifel.

Sie schloss ihr Studium ab, aber ohne wirkliche Überzeugung. Sie ging ihren Weg, weil es der erwartete, der beruhigende war, der ihr eine vielversprechende Karriere eröffnete. Wie viele andere setzte sie ihren Weg fort, ohne sich wirklich die Zeit zu nehmen, sich zu fragen, ob es tatsächlich ihr eigener Weg war.

Ihre Praktika führten sie nach Kanada und anschließend nach Neuseeland. Die Reise erweiterte ihren Blick auf die Welt, aber noch nicht auf sich selbst.

Die Rückkehr nach Frankreich markiert einen neuen Lebensabschnitt: das Berufsleben. Die Projekte sind ambitioniert, die Unternehmen erfolgreich, die Perspektiven verlockend. Doch irgendetwas sträubt sich. Wie kann man Jahre einem einzigen Projekt widmen, wenn man ständig das Bedürfnis verspürt, Neues zu entdecken, zu träumen und zu erschaffen? Materieller Komfort allein genügt nicht, um den Geist zu nähren.


II. Ist es manchmal notwendig, innezuhalten, um schließlich vorwärtszukommen?

Dann kam jener Moment, den viele erlebten, ohne es immer wahrhaben zu wollen. Covid brachte den Rhythmus der Welt zum Erliegen. Für manche war diese Unterbrechung eine Belastung. Für andere wurde sie zum Spiegel. Die Fragen, die wir aufgeschoben hatten, kehrten mit Nachdruck zurück.

Bin ich glücklich?

Ist das wirklich das Leben, das ich mir ausgesucht habe?

Kann beruflicher Erfolg persönliche Erfüllung ersetzen?

Diese Fragen veranlassen Clémence zu einer Entscheidung, die ebenso viel Mut wie Zuversicht erfordert: ein Sabbatjahr zu nehmen, nicht um zu fliehen, sondern um zu suchen.

Wieder unterwegs. Durchatmen. Zurückfinden zu dem, was wirklich zählt. Und doch, während die Kilometer vergehen, bleibt ein Gedanke: Ich muss nach Hause. Aber wozu?


III. Was wäre, wenn die Antwort schon immer da gewesen wäre?

Manchmal suchen wir lange nach dem, was direkt vor unserer Nase liegt. Im Laufe dieses Jahres ist eines immer deutlicher geworden: Jedes Mal, wenn Clémence sich einem Handwerk widmet, scheint die Zeit langsamer zu vergehen. Ihre Hände arbeiten. Ihr Geist kommt zur Ruhe. Ihre Fantasie steht im Mittelpunkt. Es entstehen nicht mehr nur Gegenstände, sondern eine andere Art, die Welt zu erleben. Kreative Tätigkeiten bringen nicht nur greifbare Ergebnisse hervor, sondern stärken auch unsere Beziehungen. Zu uns selbst. Zu anderen. Und zur einfachen Freude, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen.

Diese Intuition reifte langsam. Denn große Entscheidungen entstehen nicht überstürzt. Sie reifen still und leise, bis sie unübersehbar werden. So entstand The Creative Escape – nicht als beruflicher Neuanfang, sondern als Höhepunkt einer Suche.

Fazit: Wählen wir unsere Berufung... oder wählt sie uns?

In der Philosophie vertreten einige die Ansicht, dass wir vollkommen frei sind. Andere glauben, dass unsere Geschichte uns viel stärker prägt, als wir uns vorstellen können.

Wenn man Clémences Werdegang betrachtet, stellt sich eine letzte Frage: Was wäre, wenn alles schon lange vor ihrem Ingenieurstudium begonnen hätte?

Kreativität war ihrer Familie nie fremd. Ihr Vater besaß die fast instinktive Gabe, einen Stift zu nehmen und auf einer Tischkante eine Zeichnung anzufertigen, so selbstverständlich, wie andere ein Gespräch beginnen. Für sie war das Schaffen keine Darbietung, sondern eine Sprache. Vielleicht brauchte es einfach Zeit, bis diese Erkenntnis wieder an die Oberfläche kam? Durch Reisen, Zweifel, Erfahrungen, Covid und ein Sabbatjahr.

Vielleicht war all dies kein Umweg, sondern der Weg selbst.

Letztendlich ist die Berufung möglicherweise kein Weg, den man sich aussucht.

Manchmal ist es eine leise Stimme, die uns von Kindheit an begleitet, diskret, fast unhörbar, bis zu dem Tag, an dem wir uns endlich dazu entschließen, ihr zuzuhören.

Was wäre, wenn L'Échappée Créative nicht nur ein Workshop wäre, in dem man das Gestalten lernt?

Was wäre, wenn es in erster Linie ein Ort wäre, an dem wir uns endlich die Erlaubnis geben, wir selbst zu sein?

 
 
 

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